Together! Entspannte Beziehungen in bewegten Zeiten…

von Aja Appel

Wie schon auf Facebook versprochen, hier die ganze Story…..

Ich durfte Zeuge sein eines Beziehungsgeschehens, das ich sowohl aus eigenem Erleben kenne als auch aus den Problemen, mit denen Paare häufig zu mir in Sitzungen kommen. Aber dazu später mehr. Erst mal die Fakten:

Es ist ein sehr stürmischer Donnerstagabend in Korfu am Meer. Ich habe meinen Abendspaziergang auf den Klippen genossen und steige nun den Berg wieder hinunter, um mir ein schönes Plätzchen für ein kleines Abendessen zu suchen. Meine Kamera habe ich heute ausnahmsweise mal dabei, weil die Szenerie und die Natur gerade überwältigende Schauspiele bieten. Außer mir scheint niemand unterwegs zu sein, denke ich noch, da fällt mir ein Pärchen auf der Steinbank auf, die fast in den Wellen steht. Zunächst hatte ich gemeint, nur eine Frau zu sehen, die irgendetwas mit ihren Händen zu machen schien. Beim Näherkommen erkannte ich, dass ein Mann vor ihr saß, dem sie hingebungsvoll und sehr ausdauernd zunächst Schultern und Nacken massierte. Danach wechselte sie die Position, stellte sich vor ihn und machte mit seinem Gesicht weiter.

Wow!

Dachte ich nur.

Die geht aber ran!

Sein Gesicht konnte ich aus meiner Position nicht sehen.

Ob er es toll fand oder nicht, war für mich nicht erkennbar. (Soll ja vorkommen bei Männern, dass frau nicht weiß, findet er das jetzt gut oder nicht…!?)

Danach wechselte die Frau wieder ihre Position und umschlang ihn von hinten. Ihre Signale waren eindeutig. Sie zeigte ihre Zuneigung zu 100%…

Wer jetzt genau hinschaut, kann schon erste Körpersignale auf seiner Seite erkennen:

 

Er wendet seinen Kopf von ihr weg.

Wie gesagt: Falls etwas gesagt wurde, war es für mich nicht hörbar. Der Wind und die Wellen waren dermaßen laut, dass das Ganze wie ein Stummfilm ablief…….

 

Offenbar war etwas gesagt worden, dass die nächste Reaktion auslöste:

 

Die Frau sprang auf und rannte förmlich von dem Mann weg und zwar so schnell, dass ich sie mit meiner Kamera nicht mehr erwischen konnte.

Der Mann blieb sitzen und starrte weiter aufs Meer.

 

Was wirklich passierte –außer den beschriebenen Fakten – können wir nur erahnen und entsprechend unserer eigenen Wahrnehmungsfilter interpretieren.

Für mich sah das Geschehen nicht nach Happy End aus. Leider! Denn ich bin eine hoffnungslose oder hoffnungsvolle Romantikerin und denke natürlich erst mal:

„Ach! Hätte er doch nur ihre Liebe annehmen können!

Oder hätte er wenigstens was Verbindendes gesagt!

Warum hat er nicht sofort gesagt, dass ihm das ganze Massieren zu viel ist! Dann hätte das einen anderen Ausgang nehmen können!

Und warum rennt sie einfach weg!

Sie hätte ihm ja auch ihre Verletzung über die Zurückweisung zeigen können!“

Hätte, hätte, hätte….!

Das kennen wir sicher alle gut genug. Im Nachhinein – oder auch als Zuschauer – sind wir immer schlauer. Nur ändert es nichts daran, dass es ist wie es ist. Und unser „hätte“ drückt nur aus, dass wir Schwierigkeiten haben, das, was ist, zu akzeptieren…..und damit etwas aus dem Geschehen zu lernen.

Jeder lernt dann daraus wahrscheinlich etwas anderes:

Der eine wird sich über seine Überzeugung klar, dass, wenn er seine Liebe zeigt, er ja sowieso zurückgewiesen wird. Und er kann erkennen, dass er mit der Vorannahme natürlich genau das kreiert, was er am meisten befürchtet. Denn das ist nun mal der Wirkmechanismus von Überzeugungen. Durch die Erkenntnis öffnen sich neue Denkmöglichkeiten für ihn und er kann experimentieren.

Ich lerne, dass es wunderbar ist, Liebe überhaupt selbst empfinden zu können. Sie dann auch noch so zeigen zu können spricht für eine gesunde Ausdrucksfähigkeit und große Lebendigkeit.

Ich hoffe nur, dass die junge Frau dies für sich auch so wahrnehmen kann und dass sie sich nicht selbst ablehnt, sondern ihre Lebens- und Liebesfreude aus vollem Herzen weiter lebt.

Dabei kann es so einfach sein.

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