Stressmanagement-Burnout-Prophylaxe & Co

Erfahrungsbericht von Aja Appel

Fast täglich begegnen mir in meiner Arbeit als Coach Menschen, die über starken Stress berichten.

Die Burnout-Rate und auch psychosomatische Krankheitsbilder und Depressionen steigen rasant an und sind – neben der persönlichen Beeinträchtigung- auch Ursache für viele Fehltage von Mitarbeitern.

Um nicht in vorschnelle Schlussfolgerungen oder in hektischen Aktionismus zu verfallen, sondern um das Thema Stress nachhaltig und wirkungsvoll in den Arbeitsalltag aufzunehmen, ist es sinnvoll, die Verständnis-Perspektive zu erweitern.

Was ist überhaupt Stress, wie kommt er zustande und wie geht man konstruktiv mit diesem Thema um?
Dies sind nur einige der Fragen, die sich stellen, um ein erweitertes Verständnis zu entwickeln, das ich in den folgenden Blogbeiträgen vertiefen möchte.

Idealerweise erkennt die Führungsmannschaft die Herausforderung des Themas und macht sich für neue Möglichkeiten- auch in der Führung- stark.

Meine Anerkennung geht an dieser Stelle an das Führungsteam des deutschen Headquarters eines internationalen Unternehmens, das ich zu diesem Thema mit einem ersten Kick-Off-Workshop vor 2 Wochen begleiten durfte und die als Leader bereit waren, auch sich selbst in der Tiefe der stressverursachenden Funktionsmechanismen zu reflektieren.
Danke für den Mut und die Ehrlichkeit.

Das gibt Motivation und Ansporn, aus alten Gewohnheiten und Paradigmen auszusteigen und neue Möglichkeiten für ein entspannteres und sogar effektiveres Leben und Arbeiten weiter zu entwickeln.

Hier der erste Teil eines Erfahrungsberichts zum Thema Stress.

1. Die Wirkweise von Bedürfnissen

Die Hauptursachen für Stress sind in unserem Umgang mit unseren Bedürfnissen begründet und unseren Haltungen, aus denen heraus wir uns auf ein Geschehen beziehen.

Jede Handlung von uns Menschen ist in ihrem Ursprung ein Versuch, unsere Bedürfnisse zu erfüllen.
Die stärkste Motivation, die wir als Menschen haben können, ist die innere Motivation, unsere Bedürfnisse zu erfüllen.
Werden unsere Bedürfnisse nicht angemessen erfüllt, verkümmern wir seelisch, geistig und dann auch körperlich.
Finden wir optimale Bedingungen vor, gedeihen wir mühelos.

Die Ausrichtung geht dahin, seine Bedürfnisse anzuerkennen und gesund und lustvoll auszuleben.

Dann laden sich unsere Batterien auf.
Wir bleiben in einer gesunden Balance, in unserer Kraft und können unsere Potenziale optimal beitragen.

Arbeit macht Spaß.
Leben macht Spaß.

Erfahren wesentliche Bedürfnisse keine Erfüllung oder werden ignoriert- von uns selbst-von anderem-vom System- kann körperlicher, mentaler oder emotionaler Stress entstehen.

Menschen geraten unter Druck und befürchten, ihre Zugehörigkeit zum System (zB Familie oder Unternehmen) zu verlieren, wenn sie sich für die Erfüllung ihrer Bedürfnisse einsetzen, anstatt für die Erfüllung von Erwartungen, die sie selbst, andere Menschen oder das Umfeld an sich haben.

So haben wir es als Kinder erlebt.

Unser Überleben war abhängig von der Versorgung durch andere, also mussten wir sicherstellen, dass wir deren Gunst auf jeden Fall aufrecht erhalten.

Als Erwachsene machen wir uns oft nicht bewusst, dass unser Überleben heute nicht mehr primär von anderen abhängig ist und bleiben in diesen kindlichen Überzeugungen mit den entsprechenden Verhaltensmustern stecken.

Es bilden sich Verhaltensweisen aus, durch die man seine Batterien entlädt:

1. Man versucht es anderen recht zu machen.
2. Anstatt die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen ist die Aufmerksamkeit auf das Außen gerichtet.
3. Man versucht durch Vergleich mit anderen herauszufinden, wie man sich am besten „richtig“ verhält.
4. Eigene Bedürfnisse werden soweit unterdrückt, bis sie schließlich gar nicht mehr wahrgenommen werden und damit auch nicht mehr erfüllt werden können…….

Frustration beginnt sich breit zu machen.

Die Motivation sinkt.

Je nach Typ schaltet man im Arbeitsbereich entweder auf Dienst nach Vorschrift, man zieht sich zurück oder man beginnt zu jammern und anzuklagen.

In beiden Fällen bleibt man im unbewussten kindlichen Erlebnismuster und damit auch im kindlichen Verarbeitungs- und Handlungsmuster, der Box, stecken.

Man erlebt sich als Opfer und schiebt die Verantwortung für den eigenen Zustand auf das Außen.
Das Außen (Chef, Kollegen, Partner, Strukturen) muss sich verändern und mir meine Bedürfnisse erfüllen.

Dass Bewusstsein dafür, dass die Haupt-Ursache in einem selbst begründet ist und im Negieren der eigenen Bedürfnisse liegt, ist meist nicht vorhanden.

Stress und eine psychosomatische Verarbeitung, Burn-Out sind vorprogrammiert.

Eine Weiterentwicklung und neue Möglichkeiten können nicht passieren, solange wir nicht bereit sind, einen Schritt aus der Box heraus zu treten und die Eigenbeteiligung am Erleben anzuerkennen.

Das ist allerdings leichter gesagt als getan und ohne gute Unterstützung nur schwer leistbar.

Im nächsten 2.Teil werde ich näher auf die Haltungen als Ursache für unser Stresserleben eingehen.

Wenn Sie Lust haben, schauen Sie gerne wieder vorbei, verfassen Sie einen Kommentar-auch auf Facebook möglich- oder berichten uns Ihre persönlichen Erfahrungen oder stellen Fragen zum Thema Stress-Management unter contact@five-steps.de.

2 Kommentare

  1. Hallo Frau Appel,

    die Psyche hat sicher einen entscheidenden Anteil am Stresserleben. Ich denke aber, daß man beim ent – stressen auch auf körperliche Regeneration Wert legen sollte um rasch helfen zu können.

    Die Einheit von Körper und Geist kann auch bei der Behandlung als Grundlage angenommen werden. Und wenn man von beiden Seiten an das persönliche Stressmanangement herangeht, ist man, nach meiner Erfahrung, signifikant erfolgreicher.
    Was halten Sie davon?

    Antworten
    • Da kann ich Ihnen nur zustimmen, lieber Herr Krebs.
      Vielen Dank für Ihren Kommentar.
      Die Arbeit mit dem Körper spielt immer eine wesentliche Rolle im persönlichen Stressmanagement und vor allen Dingen auch im Five Steps Ansatz.
      Der Körper ist immer im Hier und Jetzt verankert.
      Unser Atem ist immer jetzt.
      Unser Mind, unser Verstand ist immer Vergangenheit- bzw zukunftsorientiert.
      Stress entsteht meist durch die Übertragung von Erfahrungen/Gedanken, Ideen, Überzeugungen, Befürchtungen, Erwartungen, Interpretationen, Konzepten – also der Projektion von Vergangenheit auf die Gegenwart bzw auf die Zukunft.

      Stress ist sehr oft eine Folge unserer Gedanken, deren Inhalt wir für die Wahrheit halten.
      Wir verknüpfen Gedanken zu bestimmten Geschichten.
      Meistens sind es angstmachende Geschichten.
      Angst bewirkt Druck und Stress in unserem System und entsprechende Stresshormone werden im Körper ausgeschüttet mit den jeweiligen Körpersymptomatiken.
      Diese Symptome verstärken den Stress und wir geraten in einen Teufelskreis, der bis zum Burnout führen kann.
      Diese Stressmechanismen müssen einmal mental verstanden und durchschaut werden.
      Und zum anderen müssen die Stresshormone natürlich auch im Körper abgebaut werden.
      Körperliche Aktivitäten sind hilfreich, aktive Meditationen und Atemübungen uvm….
      Der Körper hilft in den gegenwärtigen Moment zu kommen.
      Die Schulung meiner Bewusstheit hilft, diesen wirklich als solchen zu akzeptieren und in seiner Frische zu erleben.

      Antworten

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